Alsted-Schüler wandern auf den Spuren 
jüdischen Lebens durch Herborn

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Juni 18, 2023

(MD) Lernen muss nicht immer in der Schule stattfinden. Ein Unterrichtsgang anlässlich des „Anne-Frank-Tags“ führte die Schüler der 7. Klasse der Johann-Heinrich-Alsted-Schule von Mittenaar nach Herborn.
Wo haben Juden gelebt? Wie wird auch heute der jüdische Glauben aktiv gelebt. Die Religionslehrerin Martina Damm hatte 4 Stationen ausgewählt: einige Stolpersteine, das Mahnmal am Eisernen Steg, die Mikwe (rituelles Judenbad) am Kornmarkt und die jüdisch messianische Gemeinde im ehemaligen Herborner Hof. Dabei gab es nicht nur etwas zu sehen und zu hören, man konnte nachfragen, anfassen und ausprobieren.
In Herborn lebten vor etwa 300 Jahren am Kornmarkt Juden und Christen friedlich Wand an Wand. Trotz der traditionell toleranten Stimmung in Herborn hat sich der Antisemitismus unter der nationalsozialitischen Diktatur breit gemacht und alle jüdische Mitbürger ins Exil oder in Vernichtungslager getrieben. Das jüngste Opfer des Naziterrors in Herborn, so lasen die Schülerinnen und Schüler auf dem Mahnmal, war Silvia Salomon. Sie wurde 1933 geboren und wurde noch als Grundschülerin ermordet.
Glücklicherweise gab es die Kindertransporte der Briten, durch die Willi Stern gerettet werden konnte. Seine Herborner Großeltern David und Rosa Löwenstein wurden mit über 70 Jahren deportiert und ermordet. Einen Ort zum Trauern gab es nicht, deshalb hat ihr Urenkel Gerald Stern sich in Herborn für ein Mahnmal eingesetzt. Am Eisernen Steg konnten die Schüler die Namen aller 63 Opfer lesen und einen Stein zum Gedenken ablegen, wie es bei den Juden üblich ist.

Neben geschichtlichen Erkenntnissen ist die Erfahrung, im Hier und Jetzt genauso wichtig. Es bot sich die Gelegenheit mit Menschen jüdischen Glaubens zu sprechen und ihre Riten kennenzulernen. Familie Geisler empfing die Alsted-Schüler herzlich in den Gemeinderäumen der jüdisch messianischen Gemeinde in der Walter-Rathenau-Straße. Liebevoll hatten sie verschiedene kultische Gegenstände drapiert und alle durften die handgeschriebene Torarolle in Augenschein nehmen. 

Gelebte Erinnerungskultur, den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung.

Emilia Holzapfel und Emma Schaaf R 7 A

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